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Der Neubau der KSR: ein 200-Millionen-Megaprojekt

Die junge KSR befindet sich aktuell in einem provisorischen Schulhaus – aber nicht mehr lange.

In den kommenden Jahren wird sich das Zentrum von Rotkreuz weiter stark verändern. Neue Wohnungen entstehen, der Bahnhof und das Zentrum Dorfmatt werden neu gebaut. Und mittendrin entsteht ein neues Kapitel der Kantonsschule Rotkreuz, ein Neubau mit Platz für fast 900 Schüler, aufgeteilt auf etwa 40 Klassen. Zum Vergleich: Das Provisorium in der Suurstoffi 6 hat eine Kapazität von bis zu 16 Klassen und die Kantonsschule Zug (KSZ) umfasst aktuell ca. 80 Klassen. Somit wird die KSR langfristig etwa halb so gross wie die KSZ sein und wird zu den mittelgrossen Gymnasien der Schweiz zählen. Mit dem Neubau reagiert der Kanton auf die steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen und schafft zusätzlichen Raum für modernes Lernen.

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Hier soll der Neubau entstehen. Bild: Andrew Zibo Liu

Wir haben mit Jonas Briner über die Zukunft der KSR gesprochen. Als Prorektor ist er auch an der Gestaltung des Projekts beteiligt und vertritt dabei gewissermassen die Interessen der Schulgemeinschaft. Die Schule wird südlich der Gleise auf einer Fläche von rund 6100 m² entstehen. Derzeit befindet sich dort ein Gebäude des Sportparks. Dieses wird auf der anderen Seite des Sportparks neu gebaut, während die Laufbahn bestehen bleibt. Die neue Schule wird somit zwischen den Gleisen und der Laufbahn liegen. Daraus ergibt sich eine spezielle, längliche Grundrissform. Das Kernstück der neuen KSR soll durch eine sogenannte Agora – einen offenen, multifunktionalen Raum, welcher einen sozialen und dynamischen Treffpunkt der KSR darstellt –, gebildet werden. Möglichkeiten für gemeinsames Nachdenken, Abstimmungen oder auch das Plenum bildet die 800 m2 grosse Fläche, die bei Bedarf mit angrenzenden Räumen erweitert werden kann. Ein perfekter Ort, an dem die Gemeinschaft lebt. Gleich daneben befindet sich die neue Aula – ein Veranstaltungsraum mit hoher Anpassungsfähigkeit und Platz für rund 400 Personen. Sollte das nicht reichen, steht der angrenzende, bis dann neu gebaute Dorfmattsaal zur Verfügung. Natürlich darf an einer Schule eine Bibliothek nicht fehlen – die neue, 500 m2 grosse Mediothek bietet Platz zum Lernen und für jede erdenkliche Art von Büchern und Medien ein Zuhause. Auch für die Verpflegung soll ausreichend Platz zur Verfügung stehen – auf rund 800 m2 befindet sich eine einladende Mensa mit täglich neuen Variationen und weltweiten Spezialitäten. Ein Wunsch von Briner wäre, dass die Mensa von der Schule selbst geführt wird. Laut ihm würde so das Essen deutlich besser schmecken. Zusätzlich könnte man so die Mensa besser an die Bedürfnisse der Schule anpassen und auch Kurse wie die Hauswirtschaft könnten davon stark profitieren. Trotz der Vorteile würden hier keine Mehrkosten für den Kanton oder die Schülerinnen und Schüler entstehen. Daneben entsteht ebenfalls ein Platz für die Selbstverpfleger mit vielen Mikrowellen und Platz, um sich nach dem Essen auszuruhen. Eine Lounge, welche nur dem Personal der KSR zur Verfügung steht, darf ebenfalls nicht fehlen.

Lernen in Lernclustern

Beim Thema Unterrichtsräume wolle man ein neues Konzept verfolgen – sogenannte Lerncluster bilden für drei Jahre, also von der 1. bis 3. Klasse und von der 4. bis 6. Klasse, die Homebase der Schülerinnen und Schüler. Es werden je sechs Klassen auf sieben voneinander unabhängige Cluster verteilt. Diese sollen von den Schülerinnen und Schülern auch aktiv mitgestaltet werden können. Die Cluster bestehen dabei aus folgenden Komponenten: zwei Unterrichtsräume, in welchen nicht-raumspezifische Fächer wie Deutsch oder Mathematik unterrichtet werden, eine Aulina – eine kleine Aula für spezielle Unterrichtsformate – sowie ein Seminarraum mit modernen und professionellen Präsentationtechniken. Neben den abgetrennten Räumen soll es in den Lernclustern einige offene Bereiche geben. So soll es je eine Inputzone, eine Lernlounge, eine Fokuszone wie auch Platz für Rucksäcke und Spinde geben. Ebenfalls zu diesem offenen Bereich soll eine Bewegungsinsel gehören. Wie die räumliche Ausgestaltung dieser Konzepte aussehen wird, wird sich erst zeigen, wenn es einen Sieger des Architekturwettbewerbs gibt. Dazu aber später mehr. Um auch diejenigen Fächer abzudecken, welche spezielle Räumlichkeiten benötigen, gibt es je noch einen Life-Science-Cluster, einen Tec-Cluster, einen Kunst-und-Design-Cluster, einen Sport-Cluster, einen Cluster für Musik und einen Cluster für Wirtschaft / Arbeit / Haushalt. Auch hier wissen wir noch nicht, wie diese aussehen werden. Zum Sport-Cluster kann man aber jetzt schon eine interessante Entdeckung machen: Denn hier ist auch ein Fitnessstudio vorgesehen, welches von dem Hochschulsport Campus Luzern (HSCL) betrieben wird und dann auch der KSR zur Verfügung stehen wird.

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Prorektor Jonas Briner vertritt die Interessen der zukünftigen Nutzenden. Bild: KSR

Aktuell in der «heissen Phase» des Architekturwettbewerbs

Nun zum Thema Architekturwettbewerb. «Wir befinden uns in der heissen Phase», sagt Briner. Doch wie funktioniert ein solcher Wettbewerb eigentlich und warum sind wir jetzt in einer heissen Phase? Der Kanton schrieb den Auftrag für den Entwurf der neuen Schule öffentlich aus. Daraufhin erstellten alle interessierten Architekturbüros einen ersten groben Entwurf. Dafür standen ihnen zunächst nur grundlegende Informationen zur Verfügung, etwa zum Grundstück oder zu den wichtigsten Rahmenbedingungen. Anschliessend bewertete eine Jury die eingegangenen Projekte. Sie setzte sich aus verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern der Politik, KSR-Rektor Stefan Zumbrunn sowie mehreren Fachberatern zusammen. Einer dieser Berater ist Jonas Briner, der die zukünftigen Nutzenden der Schule vertritt. Gemeinsam wählte die Jury letztes Jahr die vielversprechendsten Projekte aus. Die rund 14 ausgewählten Entwürfe wurden danach in einer zweiten Runde weiter ausgearbeitet. In dieser Phase erhielten die Architekturbüros zusätzliche Informationen, etwa das Nutzungskonzept. Darin sind unter anderem die einzelnen Cluster sowie die vorgesehenen Räume detailliert beschrieben. Aus diesen vertieften Projekten wird in den kommenden Wochen der Siegerentwurf bestimmt. Da es sich um einen öffentlichen Auftrag mit voraussichtlichen Kosten von rund 200 Millionen Franken handelt, bleiben die Architekturbüros während des gesamten Wettbewerbs anonym. Damit soll sichergestellt werden, dass der objektiv beste Entwurf gewinnt – und nicht jener mit den besten Kontakten. Die Bauarbeiten sollen 2027 beginnen und bereits im Schuljahr 2031/32 sollte, wenn alles nach Plan läuft, der erste Unterricht auf der anderen Gleisseite stattfinden. Briner ist auch zuversichtlich, wenn es um den Zeitplan geht. Und sollte es doch zu Verzögerungen kommen, sieht er das unproblematisch: «Wir haben es ja gemütlich hier.»

Andrew Zibo Liu, Loris Jenny, Redaktion KS Rundblick