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KI an der Schule – Werkzeug oder Ausrede?

KI ist seit einigen Jahren ein allgegenwärtiges Thema. Fast immer sprechen wir über den Gebrauch von KI unter den Schülern. Doch was denken eigentlich Lehrer der KSR zur künstlichen Intelligenz? Benutzen sie sie selbst oder finden sie, KI hat nichts an der Schule zu suchen? Ein Deutschlehrer und ein Englischlehrer geben Auskunft.

Kaum jemand kommt heute am Thema KI vorbei, doch wie stark unsere Lehrpersonen sie tatsächlich einsetzen, ist sehr unterschiedlich. Der Englischlehrer Richard Vogt hat KI zwar einige Male ausprobiert, doch die Erfahrungen überzeugten ihn nicht. «Ich habe schon mal versucht, ein Reading von KI erstellen zu lassen. Das konnten aber alle spielend lösen, da die Fragen nicht allzu gut gestellt waren», so Vogt. Mit ChatGPT hat er auch einmal versucht, eine Literaturstunde zu planen, doch dieser Versuch liess zu wünschen übrig. Der Deutschlehrer Peter Zaugg hingegen nutzt KI im Schulalltag regelmässiger. Besonders beim Erstellen von Fragen zu Büchern hat er gute Erfahrungen gemacht. «Man bekommt sehr schnell ein Ergebnis, das, wenn man es noch ein wenig korrigiert und eigene Sachen hinzufügt, sehr gut brauchbar ist, vorausgesetzt, man promptet spezifisch genug», verrät uns Zaugg.

Wie erleben sie den KI-Gebrauch bei Schülern?

Hier sind sich beide Lehrer einig: Der Gebrauch von KI unter Schülern ist problematisch, wenn nicht sogar exzessiv. Doch sie beschreiben das Problem auf unterschiedliche Weise. Für Vogt ist das Konkreteste der Verlust des Lerneffekts. Schreibaufträge am Computer seien kaum mehr möglich, weil je nach Klasse die Hälfte der Texte KI-generiert sei. Manche Schüler machen das ungeschickt und verraten sich durch Wörter oder Satzstrukturen, die auf ihrem Niveau sehr unüblich sind. Andere wiederum sind raffinierter und weisen die KI an, einfachere Sätze zu verwenden oder sogar Fehler einzubauen. Zaugg sieht das Problem grundsätzlicher. «Es ist sehr einfach, das eigene Denken zu umgehen und so viel Zeit zu sparen, indem man einfach eine Aufgabe eingibt und direkt eine Lösung bekommt. Das ist ja auch logisch. Wir sind ja alle Menschen und die Verlockung ist so gross, dass man ihr kaum widerstehen kann.»

Was wünschen sie sich für die Zukunft?

Verbieten wollen beide KI nicht, denn das sei keine Lösung. «Wir können uns KI ja nicht verweigern. Sinnvoll ist sicher, dass die Schüler in der Lage sind, ohne KI gute Resultate zu erreichen, aber auch KI sinnvoll zu gebrauchen. Das Ziel muss sein, dass ein guter Umgang gelernt wird», so Vogt. Als konkretes Beispiel nennt er das Überarbeiten eines KI-Textes, um ihn persönlicher zu machen, weniger floskelhaft. Das wäre eine sinnvolle Aufgabe. Zaugg formuliert seinen Wunsch ähnlich. Er hofft, dass die Schüler selbst merken, in welchen Fällen der Gebrauch von KI sinnvoll ist und wann man sein eigenes Gehirn gebrauchen muss. Das Ganze, ohne dass radikale Verbote nötig werden. Doch das sei natürlich nur Wunschdenken, denn die Versuchung sei wie gesagt sehr gross.

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Der Chatbot im Unterricht – Chance und Herausforderung. Bild: Noah Lechmann

Bei der Frage, ob KI mal Lehrpersonen ersetzen wird, sind sich die beiden einig. Vogt glaubt nicht, dass Lehrpersonen an einer Kantonsschule ersetzt werden, weil dort vieles über den persönlichen Kontakt läuft. Einfachere Zertifikatskurse könnten seiner Meinung nach irgendwann von KI übernommen werden. Zaugg argumentiert anders: Pädagogische Berufe gehen weit über ein simples Input-Output-Schema hinaus. «Eben gerade im pädagogischen Bereich geht es neben dem Fachlichen, das man vielleicht ersetzen könnte, zu einem viel grösseren Teil um das Zwischenmenschliche: miteinander reden und miteinander umgehen können. Es gehe um Beziehung, Menschenkenntnis und das Miteinander», erzählt uns Zaugg. Am Ende des Tages sei KI doch noch eine Maschine. Würde man den zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen wollen, könnte man auch gleich die ganze Schule abschaffen.

Fabian Hurschler und Noah Lechmann, Redaktion KS Rundblick

Die Spitze des Eisbergs

Kommentar von Noah Lechmann

Ich brauche KI sowohl für die Schule als auch für alltägliche Situationen. Ich finde, KI kann sehr hilfreich sein, um Sachen zusammenzufassen, was in beiden Bereichen nützlich sein kann. Doch obwohl ich KI sehr viel brauche, muss ich mich immer daran erinnern, dass auch KI Fehler machen kann und dass man sie mit Vorsicht zu gebrauchen hat. Seit Beginn meines Konsums bis vor ein paar Wochen habe ich stets ChatGPT von OpenAI gebraucht. Doch ich habe realisiert, dass ChatGPT nur die Spitze des Eisbergs ist. Darum bin ich vorübergehend auf Gemini von der Firma Google umgestiegen und kann deutliche Unterschiede feststellen. Natürlich ist Gemini nicht das Beste, was die Welt von KI zu bieten hat, aber in meinen Augen ist sie eine der nützlichsten. In der Schule sollte man KI sicher nicht verbieten, sondern den Kindern zeigen, wie man es richtig verwendet. Der richtige Umgang mit verschiedenen KI-Modellen wird in der Zukunft sehr wichtig sein. Es gibt verschiedene KI-Modelle, die auf verschiedene Sachen spezialisiert sind. Es gibt welche, die sind speziell für das Schreiben von Code in allen möglichen Programmiersprachen ausgelegt sind, oder welche, die sehr gute Texte schreiben können. Ich finde, man sollte den Schülern diese fast unendliche Auswahl von Modellen näherbringen und ihnen den Umgang mit ihnen beibringen. KI kann in geeigneten Fächern wie Deutsch oder Englisch Schüler sehr gut unterstützen. Ein wenig holprig ist sie aber noch beim Rechnen wie z.B. in Mathe oder Physik. Ich glaube, dass KI in den nächsten Jahren einige Jobs ersetzen wird. Sie wird aber auch neue Jobs bieten. KI kann Jobs wie Webdesigner, Aktienmarktanalyst etc. sehr gut ersetzen, doch sie erschafft auch Jobs, denn KI-Server brauchen sehr viel Wartung.

Mit dem Lift auf den Berg

Kommentar von Fabian Hurschler

Meiner Meinung nach ist der Gebrauch von KI fast schon ein Problem geworden. Jeder weiss, dass KI sehr viel Arbeit spart, aber irgendwo müssen wir uns doch die Frage stellen, ob wir hier an der Schule sind, nur um den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. KI kann ein sehr nützliches Werkzeug sein. Vor allem in kreativen Prozessen wie Brainstorming kann KI sehr viel Arbeit sparen, aber die Verlockung von KI ist sehr gross. Warum würde man sich die Mühe machen, eine Aufgabe zu lösen, wenn man doch einfach KI fragen kann und sofort eine Antwort hat, um sich dann einer anderen Beschäftigung zu widmen, die mehr Spass macht als das Aufgabenlösen? Doch wenn man das macht, hat man erstens das Thema nicht verstanden, da man das Denken einfach an KI abgibt. Und zweitens muss derjenige sich dieses Thema einfach später erarbeiten. In solchen Fällen ist der Gebrauch wie mit dem Lift auf den Berg zu fahren. Man ist oben, aber hat keine Erfahrungen gewonnen. Aufgaben sind nicht umsonst da. Sie zielen darauf ab, die Theorie in eine simulierte Praxis umzusetzen und nicht die Schülerinnen und Schüler zu nerven. Diese Stolpersteine auf dem Weg sind schlussendlich das, woran wir uns erinnern, wenn einmal etwas Ähnliches in der Welt passiert. Dann können wir das Wissen viel besser abrufen, wenn wir mit dem eigenen Gehirn die Aufgabe erarbeitet haben, als wenn wir die Lösung von KI kopiert haben. Und das ist doch schlussendlich das Ziel unserer Ausbildung. Die Anhäufung des Wissens und nicht das Erlangen der Maturität mit möglichst vielen Abkürzungen auf dem Weg dazu.