Positive Zwischenbilanz zum PHOKUS-Modell¶
Die Kantonsschule Rotkreuz nimmt mit ihrem Unterrichtsmodell PHOKUS eine Pionierrolle im Kanton Zug ein. Nun sind die ersten Erfahrungen ausgewertet worden.
Im PHOKUS-Modell ist das Schuljahr in sechs sogenannte Sextale gegliedert, in denen jeweils eine bestimmte Anzahl Fächer mit höherer Wochendotation unterrichtet wird. Nicht jedes Fach steht also in jeder Phase auf dem Stundenplan. So haben die Schülerinnen und Schüler pro Tag und Woche weniger verschiedene Fächer und mehr Gelegenheit, sich vertieft mit einem Thema zu beschäftigen. Dadurch soll konzentrierteres und zusammenhängenderes Lernen möglich werden. Die Schule beschreibt dieses Modell als schülerinnen- und schülerzentriert und betont, dass es eigenverantwortliches Arbeiten, Teamarbeit und vertieftes Lernen fördern soll.
Lernen im PHOKUS. Foto: KSR
Um herauszufinden, wie dieses System im Schulalltag wahrgenommen wird, wurde eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Umfrage bilden zusammen mit Aussagen von Lehrpersonen sowie anonymen Aussagen von Schülerinnen und Schülern die Grundlage dieses Berichts. Dabei geht es vor allem um die Fragen, ob sich der Phasenunterricht im Alltag bewährt, wie die Unterrichtsblöcke erlebt werden, wie die Verteilung der Leistungserhebungen wahrgenommen wird und wie hoch die zeitliche Belastung insgesamt eingeschätzt wird.
Geringere Belastung für Schülerinnen und Schüler
Die Ergebnisse zeigen insgesamt ein eher positives Bild. Besonders deutlich wird dies bei der Aussage, dass der Unterricht in Phasen hilft, die Belastung durch die Schule zu senken. Die meisten Schülerinnen und Schüler stimmen der Aussage zu oder eher zu. Allerdings ist auch ein relativ grosser Anteil neutral eingestellt.
Diagramm1
Auch die Grösse der Unterrichtsblöcke wird mehrheitlich positiv bewertet. Viele Befragte finden also, dass sich die Anzahl der Einzel-, Doppel-, Dreifach- und Vierfachlektionen bewährt. Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil längere Unterrichtsblöcke ein zentrales Merkmal des Phasenunterrichts sind. Offenbar werden sie von vielen nicht als Nachteil, sondern als Chance wahrgenommen, intensiver und zusammenhängender an einem Thema zu arbeiten.
Diagramm2
Diese Einschätzung wird durch mehrere Aussagen von Lehrpersonen gestützt. Thomas Heimgartner, Lehrperson für Deutsch und Medienunterricht, betont, dass der Phasenunterricht aus Sicht eines Deutschlehrers klare Vorteile habe. Während sechs Wochen könnten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit einem Thema beschäftigen. Wenn Deutsch in einer Phase in grösseren Unterrichtsblöcken stattfindet, ist dies besonders vorteilhaft, weil Projekte oder Exkursionen einfacher organisiert werden können. Ausserdem bleibe mehr Zeit, sich vertieft mit einem Thema auseinanderzusetzen. Gerade in Fächern wie Deutsch, in denen nicht nur kurze Einzelinhalte behandelt, sondern auch grössere Zusammenhänge, Texte oder Projekte bearbeitet werden, scheint der Phasenunterricht deshalb besonders gut geeignet zu sein.
Lehrpersonen mögen den Phasenunterricht
Auch Marcel Zarske aus der Fachschaft Biologie beurteilt das System positiv. Er sagt, dass es aus Sicht der Schülerinnen und Schüler ein Vorteil sei, wenn man pro Woche oder pro Tag weniger verschiedene Fächer habe. Dadurch müsse man sich auf weniger Themen gleichzeitig konzentrieren, was für das Gehirn hilfreich sein könne. Auch aus Lehrpersonensicht sei das System gut, weil man sich stärker auf einzelne Themen konzentrieren könne. Doppelstunden oder sogar drei Lektionen hintereinander würden mehr Zeit für ein Thema ermöglichen. Diese Aussage zeigt, dass der Phasenunterricht nicht nur organisatorische, sondern auch didaktische Vorteile haben kann.
Florian Zihlmann, Lehrperson für Geografie und Sport, sieht ebenfalls Vorteile darin, dass in einer Woche weniger verschiedene Fächer stattfinden. Dadurch könne man sinnvoller an einem Thema weiterarbeiten, wenn ein Fach mehrmals pro Woche vorkomme. Man müsse sich nicht jedes Mal neu in ein Thema einarbeiten, sondern könne kontinuierlich arbeiten. Beim Sport sei es sinnvoll, dass er nicht in Phasen stattfindet, sondern regelmässig im Stundenplan bleibt; der Phasenunterricht bietet zwar viele Vorteile, aber nicht für jedes Fach ist er ideal.
Undine Widmer, Lehrperson für Bildnerisches Gestalten, nennt ebenfalls mehrere positive Aspekte. Sie findet das System gut, weil die Anzahl der Lektionen und der verschiedenen Fächer für die Schülerinnen und Schüler reduziert wird. Im BG-Unterricht geht dadurch weniger Zeit fürs Aufräumen und Umräumen verloren, sodass länger an der Arbeit geblieben werden kann. Durch die längeren Lektionen sei ein intensiveres Arbeiten möglich. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass längere Unterrichtsblöcke für jüngere Klassen teilweise anspruchsvoll sein können.
Verteilung der Prüfungen ist nicht immer ideal
Mehrere anonyme Aussagen von Schülerinnen und Schülern betonen, dass der Phasenunterricht gut sei, weil es sich so anfühle, als gäbe es weniger Prüfungen. Andere sagen, man könne sich besser auf einzelne Fächer konzentrieren und habe dadurch weniger Stress. Eine weitere anonyme Aussage beschreibt den Schulalltag mit Phasenunterricht insgesamt als angenehmer und gemütlicher als an der früheren Schule.
Bei der Verteilung der Leistungserhebungen über Tage und Wochen fällt das Bild etwas gemischter aus. Zwar gibt es auch hier mehr positive als klar negative Antworten, aber die Zahl neutraler und kritischer Einschätzungen ist grösser als bei der allgemeinen Bewertung des Phasenunterrichts. Das ist nachvollziehbar, denn auch wenn das System grundsätzlich positiv erlebt wird, hängt die konkrete Verteilung der Prüfungen stark davon ab, wie einzelne Lehrpersonen planen.
Gerade an diesem Punkt wird auch Kritik sichtbar. Eine Schülerin oder ein Schüler sagt, dass das System keinen wirklichen Sinn habe. Zwar habe man mehr Zeit für Prüfungen, aber nach sechs Wochen Pause vergesse man vieles wieder. In den letzten Wochen kämen dann oft viele Prüfungen auf einmal, was sehr stressig sei. Ausserdem seien viele Lektionen hintereinander anstrengend. Gerade in Fächern, in denen man aufbauend lernen muss, funktioniere der Phasenunterricht aus dieser Sicht weniger gut.
Auch in anderen anonymen Aussagen tauchen kleinere Kritikpunkte auf. So wird erwähnt, dass drei Lektionen Englisch oder Französisch hintereinander anstrengend sein können. Eine andere Person sagt, dass man bei Sprachen durch längere Unterbrüche zwischen den Phasen wieder etwas verlernen könne. Solche Einwände sind nachvollziehbar, weil gerade Sprachfächer viel Übung und regelmässige Wiederholung brauchen. Hier zeigt sich deutlich, dass derselbe Aspekt des Phasenunterrichts von verschiedenen Personen sehr unterschiedlich bewertet werden kann.
Vorteile überwiegen
Thomas Unternährer, Lehrperson für Französisch, beurteilt den Phasenunterricht jedoch sehr positiv. Er erklärt, dass dieses Modell sogar ein Hauptgrund für seinen Wechsel nach Rotkreuz gewesen sei. Zwar gebe es am Anfang eine gewisse Eingewöhnungsphase, und viele hätten das Gefühl, dass durch die längeren Pausen zwischen den Phasen viel vergessen gehe. Er selbst sehe dieses Problem jedoch nicht so stark, weil es auch in den Sommerferien längere Unterbrüche gebe und der Unterricht danach trotzdem wieder funktioniere. Diese Aussage ist besonders interessant, weil sie der Schülerkritik direkt eine andere Perspektive gegenüberstellt.
Diagramm3
Der Phasenunterricht an der Kantonsschule Rotkreuz wird von den Schülerinnen und Schülern insgesamt positiv beurteilt, wie Diagramm 3 zeigt. Besonders geschätzt werden die stärkere Konzentration auf einzelne Fächer, die Möglichkeit zu vertieftem Arbeiten, die längeren zusammenhängenden Unterrichtsblöcke und der oft geringere Prüfungsstress. Diese Vorteile werden nicht nur in den Umfrageergebnissen, sondern auch in den Aussagen der Lehrpersonen und anonymen Schülerinnen und Schüler deutlich. Gleichzeitig zeigt die Auswertung, dass das System nicht nur Vorteile hat. Kritisiert werden vor allem die langen Unterrichtsblöcke, mögliche Wissenslücken nach längeren Pausen und dass sich Prüfungen manchmal in einer Phase häufen. Besonders in Fächern, in denen man regelmässig üben muss, kann der Phasenunterricht auch schwierig sein.
Trotzdem ist der Gesamteindruck positiv. Die Kantonsschule Rotkreuz hat mit dem PHOKUS-Modell ein spezielles Unterrichtssystem eingeführt, das den Schulalltag anders organisiert als an den meisten anderen Schulen. Die Umfrage und die Aussagen der befragten Personen zeigen, dass das in vielen Fällen auch klappt.
Joel Gassmann und Isabelle Rode, Redaktion KS Rundblick



