Ein Blick hinter die Kulissen der KSR-Stundenplanung¶
Damit die Stundenpläne im Frühsommer erscheinen, braucht es mehrere Monate intensive Planungsarbeit. Wir haben mit einem der Stundenplaner über seine anspruchsvolle Arbeit gesprochen.
Viele Schülerinnen und Schüler werfen jeden Tag einen Blick auf ihren Stundenplan. Er zeigt, wann welche Fächer stattfinden, welche Lehrpersonen unterrichten und wann die nächste Pause ist. Für die meisten gehört er ganz selbstverständlich zum Schulalltag. Doch nur wenige machen sich Gedanken darüber, wie viel Planung und Organisation hinter seiner Entstehung steckt. Die Erstellung eines Stundenplans für eine ganze Schule ist eine komplexe Aufgabe. Zahlreiche Klassen, Lehrpersonen, Räume und Fächer müssen so koordiniert werden, dass am Ende alles möglichst gut zusammenpasst. Bereits kleine Änderungen können grosse Auswirkungen auf den gesamten Plan haben. Besonders an einer Schule wie der Kantonsschule Rotkreuz, an der verschiedene Klassen, Fachbereiche und Unterrichtsmodelle berücksichtigt werden müssen, stellt dies eine grosse Herausforderung dar.
Ein komplexes Gebilde – Stundenpläne der KSR. Collage: Anina Bossart
Um mehr darüber zu erfahren, wie ein Stundenplan entsteht, haben wir mit Thomas Unternährer gesprochen, der dieses Jahr an der Erstellung des Stundenplans beteiligt ist. Zusätzlich wollten wir von Schülerinnen und Schülern wissen, wie sie ihren Stundenplan erleben und wie sie insbesondere den Phasenunterricht beurteilen.
Von der Planung bis zur Veröffentlichung
Die Erstellung eines Stundenplans beginnt bereits lange vor dem neuen Schuljahr. Laut Unternährer startet der Prozess ungefähr Mitte Januar mit einer ersten Planungsphase. Von diesem Zeitpunkt an wird kontinuierlich am Plan gearbeitet, bis er schliesslich gegen Mitte oder Ende Juni veröffentlicht wird. Die Erstellung dauert somit mehrere Monate. Für Thomas Unternährer ist es bereits das zweite Mal, dass er an der Kantonsschule Rotkreuz für den Stundenplan mitverantwortlich ist. Ursprünglich hatte er sich gemeinsam mit zwei Kollegen für diese Aufgabe an der Kantonsschule Zug beworben. Durch die Gründung der Kantonsschule Rotkreuz ergaben sich jedoch neue Möglichkeiten, und er wurde angefragt, die Stundenplanung gemeinsam mit einem Kollegen hier zu übernehmen.
Software, Turnhallen und viele Faktoren
Bei der Planung kommt heute kaum noch Handarbeit zum Einsatz. Stattdessen wird mit einer speziellen Software namens GPUntis gearbeitet. Dieses Programm berechnet zahlreiche mögliche Kombinationen und hilft dabei, Räume, Lehrpersonen und Klassen möglichst effizient zu koordinieren. Dabei werden unter anderem folgende Faktoren berücksichtigt: welche Lehrpersonen welche Klassen unterrichten, welche Räume verfügbar sind und wie viele Lektionen pro Fach stattfinden müssen. Besonders wichtig sind laut Unternährer die Sportlektionen. «Die Turnhallen müssen zuerst gesetzt werden», erklärt er. Da es nur eine begrenzte Anzahl Hallen gibt, müssen diese Zeiten früh festgelegt werden. Anschliessend werden weitere Unterrichtseinheiten darum herum organisiert. Auch die Verteilung der Lektionen über die Woche spielt eine wichtige Rolle. Ziel ist es, sowohl für Lehrpersonen als auch für Schülerinnen und Schüler eine möglichst ausgewogene Wochenstruktur zu schaffen. Die grösste Herausforderung liegt laut Unternährer darin, alle Faktoren gleichzeitig zu berücksichtigen. Neben Raumbelegungen müssen auch Dinge wie Mittagspausen, Frühlektionen oder die Verteilung von Unterrichtsblöcken bedacht werden. Besonders problematisch sind sehr lange Blocklektionen. Deshalb versucht man, wenn möglich keine Viererblöcke zu planen. Meist werden stattdessen zwei- oder dreistündige Lektionen hintereinander angesetzt. Neben der Organisation der Lektionen spielt auch der Phasenunterricht eine wichtige Rolle im Stundenplan. Thomas Unternährer steht diesem Modell grundsätzlich positiv gegenüber. Als Fachlehrer schätzt er vor allem die Möglichkeit, Inhalte konzentrierter zu behandeln. Gleichzeitig sieht er aber auch organisatorische Herausforderungen, da dieses System bei der Planung zusätzliche Einschränkungen mit sich bringt.
Thomas Unternährer ist an der KSR mitverantwortlich für die Stundenplanung. Bild: Anina Bossart
Meinungen der Schülerinnen und Schüler
Doch wie erleben die Schülerinnen und Schüler den Stundenplan im Alltag? Dazu haben wir mit mehreren Schülern gesprochen: Leòn Nervi aus der Klasse 28d bewertet seinen Stundenplan grundsätzlich positiv. Besonders den Phasenunterricht findet er interessant: «Ich finde die Idee des Phasenunterrichts sehr cool. Auch die Umsetzung funktioniert in den meisten Fällen gut.» Gleichzeitig sieht er jedoch auch Schwächen im aktuellen System. Problematisch findet er beispielsweise, dass Französisch und Englisch teilweise in derselben Phase stattfinden. «Das ist mir zu viel Sprache auf einmal», erklärt er. Auch sehr lange Unterrichtsblöcke empfindet Leòn als anstrengend. Vier Lektionen desselben Fachs hintereinander seien aus seiner Sicht zu lang, da die Konzentration mit der Zeit nachlasse. Schon drei Lektionen am Stück bezeichnet er als «grenzwertig». Trotzdem bevorzugt er den neuen Stundenplan gegenüber demjenigen der KSZ, die er zuvor besuchte. Besonders die Doppellektionen gefallen ihm. «Früher hatten wir viel mehr Einzellektionen. Durch die Doppellektionen kann man sich besser auf ein Thema konzentrieren und tiefer in den Stoff eintauchen», erklärt er. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Eric Hörning aus der zweiten Klasse. Insgesamt findet er seinen Stundenplan «okay», meint jedoch, dass er durchaus verbessert werden könnte. Besonders positiv bewertet er den Mittwoch: Dort hat seine Klasse vier Lektionen Musik und danach frei am Nachmittag. Kritischer sieht Eric hingegen die Frühlektionen. Für ihn seien diese sehr schwierig, da er sich zu dieser Zeit nur schlecht konzentrieren könne. Auch die Verteilung der Fächer über die Woche könnte aus seiner Sicht besser sein. In manchen Wochen hätten sie ein Fach sehr häufig, während andere Fächer kaum vorkämen. Besonders stressig seien für ihn der Donnerstag und der Freitag, da an diesen Tagen viele Lektionen stattfinden.
Man merkt also ziemlich deutlich: Ein Stundenplan entsteht nicht einfach so nebenbei. Hinter jeder einzelnen Lektion steckt viel Planung, Abstimmung und manchmal auch ein bisschen Tetris-Spielen, damit am Ende alles irgendwie passt. Gleichzeitig zeigt sich, dass es den einen perfekten Stundenplan gar nicht gibt. Für manche sind längere Blöcke super, andere sind danach komplett erschöpft. Einige finden Frühlektionen okay, andere kämpfen schon damit, überhaupt wach zu werden. Und auch bestimmte Fächer direkt hintereinander sorgen immer wieder für Diskussionen.
Anina Bossart und Raphael Fath, Redaktion KS Rundblick

