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Sport als Ausgleich zur Bildschirmzeit — Jugendliche im Kampf zwischen Bewegung und Handy

Seit vielen Jahren ist die Bildschirmzeit ein grosses Thema und vor allem bei Jugendlichen ein ernstes Problem. An einem durchschnittlichen Wochentag betrage sie über drei Stunden und am Wochenende sogar fast fünf Stunden. Angesichts dieser hohen Werte stellt sich die Frage, ob Sport als Ausgleich die Bildschirmzeit verringern könnte – oder ob Jugendliche nach dem Sport einfach länger aufbleiben, um sie aufzuholen.

Eine Studie zeigt, dass fast alle Jugendlichen ein eigenes Smartphone besitzen: 98 Prozent nutzen es regelmässig und 89 Prozent sind täglich online. Neu ist, dass die Studie echte Smartphone-Bildschirmzeiten erfasst: Im Durchschnitt sind Jugendliche drei Stunden und 51 Minuten pro Tag am Handy. Bei den jüngsten Studienteilnehmenden (12 bis 13 Jahre) sind es zwei Stunden und 46 Minuten, bei den Ältesten (18 bis 19 Jahre) sogar über viereinhalb Stunden. Viele Jugendliche spüren auch, dass sie ihr Smartphone nur schwer weglegen können: Die Mehrheit (68%) verbringt öfter mehr Zeit am Handy als geplant, obwohl 67 % die Zeit ohne digitale Medien als etwas Positives empfindet. Drei von zehn Jugendlichen sind im Durchschnitt morgens müde, weil sie nachts zu spät aufgehört haben zu scrollen und 44 Prozent lassen sich bei den Hausaufgaben regelmäßig ablenken, besonders die Älteren. (https://www.schau-hin.info/studien/jim-studie-2025-jugendliche-fast-vier-stunden-taeglich-am-smartphone)

Foto1 Eine exemplarische Bildschirmzeit.

Social Media, WhatsApp und Influencer:innen

Eine weitere Studie zeigt, dass WhatsApp mit großem Abstand die wichtigste und meistgenutzte App der Jugendlichen ist. Snapchat wird häufiger genutzt als TikTok, liegt aber hinter WhatsApp und Instagram. Ein wachsender Teil der Jugendlichen informiert sich über Social Media auch zu aktuellen Ereignissen: Rund ein Drittel folgt Influencer:-innen, die Nachrichten erklären.

Um herauszufinden ob Sport die Bildschirmzeit beeinflusst oder nicht, haben wir eine Umfrage durchgeführt. Dabei haben wir 13 verschiedene Personen befragt jeweils im Alter zwischen 13 und 22 Jahren an der Kantonsschule und auf der Strasse in Rotkreuz und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Zusammenfassung der Umfrageergebnisse

Befragt wurden 13 Personen (7 weiblich, 6 männlich) im Alter von 13 bis 22 Jahren.

Sport

Jugendliche allgemein: Die Mehrheit der Befragten treibt regelmässig Sport, im Durchschnitt rund 4 bis 5 Stunden pro Woche. Die beliebtesten Sportarten sind Fussball, Tanzen und Leichtathletik. Nur eine Person gab an, nur Schulsport zu machen. Sport und Ernährungstracking-Apps scheinen eher unbeliebt zu sein, da niemand der Befragten sie nutzt. Die weiblichen Befragten sind sportlich etwas vielfältiger unterwegs (Tanzen, Leichtathletik, Eiskunstlaufen, Fussball), während sich die männlichen Befragten mehrheitlich für Fussball und Mannschaftssport interessieren.

Bildschirmzeit

Jugendliche allgemein: Die durchschnittliche Bildschirmzeit liegt bei etwa 3,5 Stunden pro Tag, schwankt aber stark zwischen 1,5 und 8 Stunden. Die meistgenutzten Apps sind Instagram, WhatsApp, YouTube und TikTok; bei den Jüngeren auch Netflix sowie Spiele wie Clash Royale und Minecraft. Geschlechterunterschiede: Weibliche Befragte nutzen häufiger Social-Media-Apps wie Instagram, TikTok und WhatsApp. Männliche Befragte nutzen eher YouTube und Spiele. Die höchste Bildschirmzeit (8 Stunden) wurde von einer weiblichen Fussballspielerin angegeben, die niedrigsten Zeiten (je 90 Minuten) kamen von beiden Geschlechtern.

«Zu meinem Bedauern habe ich gestern 8 Stunden am Handybildschirm verschwendet und war dann tatsächlich später auch noch am PC. Allerdings habe ich jetzt Ferien und werde mich in dieser Zeit nicht von solchen Fesseln, also von strengen Regeln zur Bildschirmnutzung, binden lassen.» (Cathie, 15 Jahre alt)

Foto1 Cathie 15 Jahre alt (Foto Gioia Ghislini)

Zusammenhang Sport und Bildschirmzeit

Jugendliche allgemein: Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, an Trainingstagen weniger Zeit am Bildschirm zu verbringen. Einige wenige merkten keinen Unterschied oder sogar das Gegenteil — sie schauen nach dem Training länger, weil sie beispielsweise Sport-Dokus auf YouTube ansehen oder nachts länger aufbleiben, da sie das Gefühl haben, sie müssen die Bildschirmzeit aufholen. Geschlechterunterschiede: Bei den weiblichen Befragten ist der Zusammenhang deutlicher: Fast alle gaben an, an Sporttagen weniger am Handy zu sein. Bei den männlichen Befragten ist das Bild gemischter — einige sagten explizit, dass Sport ihre Bildschirmzeit nicht beeinflusse.

«Ich schaue viel Sport auf meinem Handy, was also meine Bildschirmzeit beeinflusst, aber an Tagen, an denen ich Sport treibe, ist meine Bildschirmzeit tiefer. Somit hat Sport einen Einfluss auf meine Bildschirmzeit, sowohl einen positiven als auch negativen.» (Sam, 14 Jahre alt)

Zufriedenheit mit dem Verhältnis

Jugendliche allgemein: Die meisten sind mit ihrem Verhältnis zwischen dem Sporttreiben und der Bildschirmzeit zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Einige wenige wünschten sich weniger Handyzeit und dafür mehr Zeit für Sport. Die älteren der Befragten sagten, dass sie ihre Zeit mit mehr Sport und weniger am Bildschirm verbringen wollen würden. Geschlechterunterschiede: Weibliche Befragte äussern häufiger den Wunsch nach einer besseren Balance („weniger Handy, mehr Sport”), während männliche Befragte tendenziell eher zufrieden mit ihrem aktuellen Verhältnis sind. Als Antwort auf meine Frage, wie zufrieden sie mit ihrem Verhältnis zwischen der Bildschirmzeit und dem Treiben von Sport wären antwortet ein HSLU-Student:

„Eigentlich bin ich zufrieden aber am liebsten würde ich den Sport vielleicht sogar noch hochschrauben und dafür die Bildschirmzeit auf jeden Fall runterschrauben.“

Fazit

Die Umfrage zeigt: Jugendliche, die regelmässig Sport treiben, verbringen tendenziell weniger Zeit am Bildschirm — besonders an Trainingstagen. Mädchen scheinen diesen Effekt bewusster wahrzunehmen als Jungen. Interessanterweise nutzt niemand der Befragten digitale Hilfsmittel wie Sport- oder Ernährungs-Apps, obwohl diese genau dabei unterstützen könnten. Die Zufriedenheit mit dem Verhältnis ist generell hoch, aber mit zunehmendem Alter wächst der Wunsch nach mehr Bewegung und weniger Bildschirmzeit.

Gioia Ghislini und Rika Ineichen, Redaktion KS Rundblick